Aktivitäten

Tag der Industriekultur 2017

Bereits zum fünften Male beteiligte sich der Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e. V. (VDMG) mit einem ansprechenden und vielseitigen Programm an den Tagen der Industriekultur in Leipzig. Die Organisatoren konnten am 12.08.2017 87 Besucher begrüßen und waren besonders darüber erfreut, dass das Museum für Galvanotechnik steigenden Zuspruch durch interessierte Besucher nicht nur aus dem Bereich Oberflächentechnik erfährt. Besonders erfreut waren die Veranstalter, dass der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, Dr. Volker Rodekamp, und Dr. Dirk Schaal von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (Koordinierungsstelle Sächsische Industriekultur) dem Museum einen Besuch abstatteten.

Zum Beginn der Veranstaltung begrüßte Thilo v. Vopelius, 1. Vorsitzender des VDMG, die zahlreich erschienenen Gäste und Dr. Ulrich Vieweger, 2. Vorsitzender des VDMG, stellte Band I der Chronik „Leipzig – Die Wiege der Galvanotechnik in Deutschland“ vor. Dieser Band I beinhaltet die Chronik der Firmen von Wilhelm Pfanhauser Wien 1873 bis 1907 und Dr. Georg Langbein Leipzig 1881 bis 1907 und wird zu einem Preis von 95,00 € über den Museumsshop vertrieben. Autor dieser Chronik ist Dr. Vieweger.

Das Programm beinhaltete drei Vorträge zu sehr unterschiedlichen Themen des Gebietes Oberflächentechnik. Joachim Knop, plating electronic GmbH, gab einen historischen Abriss zur Entwicklung der Stromversorgungstechnik für galvanische Prozesse bis zu den heute Verwendung findenden Gleichrichtern.

Die Stromversorgungstechnik hatte ihre Anfänge im Jahre 1799 mit der Entwicklung der Volta’schen Säule, die Vorgängerin der heutigen Batterie. 1841 folgte Robert Wilhelm Bunsen mit der Entwicklung des Bunsenelements, der wichtigsten Gleichstromquelle bis zur Einführung der Dynamomaschine. 1866 entwickelte Ernst Werner v. Siemens die Dynamomaschine und schuf damit eine leistungsstarke Stromerzeugungsquelle für die Galvanotechnik. Weiter ging die Entwicklung mit dem Bau der ersten Drehstromtransformatoren durch die AEG in der noch heute üblichen Dreischenkelform. Das war die Voraussetzung für eine zentrale Energieversorgung sowie die Möglichkeit zur Potentialtrennung vom Netz und die Anpassung der Badspannung an den Prozess. Um 1930 erfolgte die Einführung der Selengleichrichter ohne rotierenden Umformer zur Gleichstromerzeugung. Bis ca. 1980 waren Selen-Gleichrichter für luft- und ölgekühlte Gleichrichter im Einsatz. Die Selen-Gleichrichter waren robust und überlastfähig, jedoch traten durch die Alterung steigende Wärmeverluste auf.

Knop erläuterte im weiteren Verlauf des Vortrags anhand zahlreicher Folien Gleichrichter in Stelltransformator-Technologie mit Selen- oder Silizium-Gleichrichtung, thyristorgeregelte Gleichrichter, Pulse-Reverse-Stromquellen sowie die Schaltnetzteil-Technologie bis hin zu den aktuellen Gleichrichter-Technologieentwicklungen. Wir unterscheiden heute zwischen motorisch- und elektronisch geregelten Gleichrichtern. Hauptsächlich werden drei Arten von Gleichrichter-Technologien eingesetzt. Das sind: Stelltransformatoren, Thyristoren und Schaltnetzteile. Je nach Einsatzort wird die Art der Kühlung gewählt: Öl-Kühlung, Öl-Wasser-Kühlung, Luft-Kühlung und Wasser-Kühlung. Die heutigen Technologien unterscheiden sich in den technischen Spezifikationen, im Platzbedarf, im Regalverhalten, in der Servicefreundlichkeit, der Restwelligkeit, im Schutzgrad gegen Verschmutzung und Korrosion sowie vor allem im Energieverbrauch. Um Gleichrichter für die Oberflächentechnik optimal zu bestimmen, sollten diese wesentlichsten Kriterien beachtet und daraus gezielt Schutzgrad und Technologie für die Anwendung ausgewählt werden. Dabei ist jeder Anwender gefragt, denn es gibt nicht den Gleichrichter, aber immer eine optimale Lösung.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Herrn Knop für seinen gut recherchierten und dargebotenen Vortrag.

Im nächsten Vortrag gab Marion Regal, Schatzmeisterin des Vereins, die Antwort auf die Frage: „Was die Herstellung von Schallplatten mit Vätern, Müttern und Söhnen zu tun hat“.Die Schallplatte feiert in diesem Jahr ihren 130. Geburtstag und feiert aktuell eine Wiedergeburt, denn die Produktionszahlen steigen seit drei Jahren kontinuierlich. Beispielsweise stieg von 2015 zu 2016 die Produktion von Schallplatten um 48% von 2,1 auf 3,1 Mio. Stück. Unter Experten gibt es einige Theorien, warum es gerade jetzt zur Wiederbelebung der Schallplatte kommt; unter DC’s ist sie ja nie ganz weg gewesen. Eine Erklärung könnte die Sehnsucht nach Entschleunigung sein.

Regal zeigte im Weiteren den Entwicklungsweg der Schallplatte auf. Im Jahre 1887 gelang es, Emil Berliner auf galvanoplastischem Weg ein Zink-Positiv herzustellen. Das bezeichnet man als die Geburtsstunde der Schallplatte. Wesentliche Meilensteine auf dem Entwicklungsweg waren 1896 der Beginn der Herstellung von Schellackplatten, 1925 die Entwicklung des elektrischen Aufnahmeverfahrens und 1930 die Entwicklung der Vinyl-Schallplatte, die jedoch erst Ende der 50iger Jahre die Schellackplatte in Deutschland ablöste.

Die Referentin führte weiter aus: Zur Herstellung von Schallplatten gibt es zwei Technologien, womit sie sich der Beantwortung der Frage im Vortragsthema näherte. Nach Technologie I wird eine Aluminium-Scheibe mit Polyvinyl-Acetatlack überzogen, in die mit dem Schneidstichel die Toninformation geschnitten wird. Damit liegt die Masterfolie vor. Die Masterfolie wird mittels Silber leitend gemacht und danach wird versilberte Masterfolie dick vernickelt. Die Nickelschicht wird abgezogen und man erhält den „Vater“ (Negativ). Durch Vernickelung des Vaters wird ein Positiv erzeugt, die „Mutter“. Die eigentlichen Pressmatrizen sind die „Söhne“ (Negativ), die wiederum durch Vernickelung hergestellt werden. Diese Pressmatrizen = Söhne gehen dann zum Presswerk und daraus werden Vinyl-Schallplatten mit den erforderlichen Auflagen gepresst; also ein sehr aufwendiger Prozess.

Um den Umweg über „Väter“ und „Mütter“ zu vermeiden, wurde Anfang der 80iger Jahre von Teldec das DMM-Verfahren (Direct Metal Mastering) entwickelt. DMM ist das Warenzeichen der ehemaligen Schallplattenfirma Teldec und war bei seiner Einführung eine Revolution in der Schallplattenherstellung. Als Grundmaterial wird hier eine Edelstahlscheibe eingesetzt, die mit einer Schichtdicke von 100 bis 150 µm verkupfert wird. Das ist die DMM-Masterfolie (Positiv). Diese wird vernickelt und so entstehen die „Söhne“, die als Negative zum Presswerk zur Herstellung der Vinyl-Schallplatten gehen. Wesentliche Vorteile dieses Verfahrens sind der Zeitgewinn, die Kosteneinsparung sowie weisen die nach dem DMM-Verfahren produzierten Schallplatten weniger Nebengeräusche auf und haben keine störenden Vorechos. Von manchen wird als Nachteil betrachtet, dass die Rillentiefe etwas flacher ist und damit die hergestellten Schallplatten einen Tick leiser sind. Beide Technologien werden in der Praxis noch eingesetzt. Je nach Historie, technischer Voraussetzungen und Auffassung des entsprechenden Schneidstudios wird die eine oder andere Technologie verwendet. Wenn die Voraussetzungen – ausreichend qualitativ einwandfreie Kupfer-Blanks – da wären, würde das DMM-Verfahren bei weiteren Schneidstudios zum Einsatz kommen. Dazu kommen noch weitere Schwierigkeiten in der Wertschöpfungskette der Vinylplatte, die u. a. darin begründet sind, dass Schneid- und Pressmaschinen nicht weiter entwickelt wurden und Erfahrungsträger in allen Bereichen fehlen. Die Branche ist sich dessen bewusst und hat einige Aktivitäten eingeleitet, damit der aktuelle Boom nicht schnell wieder abebbt.

Der Einsatz von Leichtbaumetallen ist in vielen Industriezweigen gefragt. So beschäftigte sich Professor Peter Kurze in seinem Vortrag mit den Besonderheiten der Herstellung von Magnesium sowie den aktuellen und zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des Werkstoffs Magnesium.

Zunächst brachte Kurze einen historischen Abriss zur Gewinnung und Verwendung von Magnesium. 1808 wird erstmals von H. Davy Magnesium hergestellt. 1833 produziert Michael Faraday erstmals Magnesium mittels Elektrolyse. Das war und ist die Grundlage für die heutige Produktion. Weitere wesentliche Schritte waren 1886 der Beginn der ersten industriellen Produktion von Magnesium in der Aluminium-Magnesium-Fabrik Hemeling bei Bremen und 1916 die Herstellung von elektrolytischem Magnesium durch die DOW Chemical Corporation in den USA. In den 20iger und 30iger Jahren des 19. Jahrhunderts wird zunehmend Magnesium in deutschen Autos verbaut. Die niedere Dichte machte Magnesium schon früh für mobile Anwendungen interessant. So baut beispielsweise OPEL 1922 einen Motorradmotor mit Magnesium-Kurbelgehäuse und Magnesiumkolben und der „Adler Standard R6“ enthält 73,8 kg Magnesium-Teile. Nach 1930 verwendete man Magnesiumlegierungen zunehmend im Flugzeugbau, denn die mit ihnen möglichen Gewichtseinsparungen, erlaubten energieeffizientere Flüge wie auch höhere Zuladung. All dies führte zu einem raschen Ausbau der Magnesiumerzeugung in Deutschland. In den 30iger Jahren stellte Deutschland so viel Magnesium her, dass kein Zukauf erforderlich war.

Kurze führte weiter aus, dass 1941 erstmals Magnesium aus Meerwasser durch die DOW Chemical in den USA hergestellt wurde. 1951 beginnt Norsk Hydro (Norwegen) und 1997 Israel mit der Produktion von Magnesium aus Meerwasser.

Magnesiumlegierungen sind mit dem heutigen Stand der Technik sehr gut händelbar und rücken diesen Konstruktionswerkstoff weiter in den Vordergrund. Heute werden Magnesiumlegierungen nicht allein unter dem Gesichtspunkt Gewichtsersparnis verwendet, sondern sie zeichnen sich zudem durch hohe Dämpfung aus. Dies führt bei Schwingungsbelastung zu einer Verringerung der Vibration und Geräuschemission. Auch aus diesem Grunde sind Magnesiumlegierungen interessante Werkstoffe im Motorenbau, wie überhaupt im Automobilbau geworden. Kurze erläuterte im Folgenden einige interessante Anwendungsfälle:

  • Automobilbau
  • Lenkgetriebe Gehäuse
  • Steuerwalzen für Scheinwerfer
  • Cockpit
  • Luft- und Raumfahrtindustrie
  • Hochfrequenz-Verstärkerrohre in Telekommunikationssatelitten
  • Gelenke für Solar-Panel
  • Medizintechnik (Stent-Implantationen)

Auch an Kurze an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank für seinen aufschlussreichen Vortrag.

Viel Zuspruch fanden die Programmangebote „Offenes Werktor“ und „Galvanotechnik zum Anfassen“. Im Rahmen des „Offenen Werktores“ führte Thilo v. Vopelius durch die Vopelius Chemie AG und machte die über 30 Teilnehmer mit den von der Vopelius Chemie AG vorgenommenen zukunftsweisenden Restaurierungen alter Industriebauten vertraut.

In der Mustergalvanik wurde die Vergoldung von kleinen Aluminium-Münzen demonstriert. Den Besuchern wurde anschaulich vorgeführt, wie galvanotechnische Beschichtung funktioniert. Das Ergebnis – die vergoldete Münze – wird gern als Souvenir mitgenommen.

Nach dem guten Erfolg in 2016 wurde auch in diesem Jahr eine Plakat-Ausstellung von 30 Plakaten in das Programmangebot integriert. Gezeigt wurden Plakate zum Thema „ Internationale Plakate zur Gegenwart“, die von Herrn Fiedler, Verein zur Förderung visueller Kultur plakat-sozial e. V., zur Verfügung gestellt wurden.

  • Abgerundet wurde das Programmangebot durch die ganztägigen Filmvorführungen
  • Werk- und Werbefilm der Langbein-Pfanhauser Werke AG von 1925
  • Die Entwicklung auf dem ehemaligen Gelände der Galvanotechnik Leipzig nach 1990 (von Wolfgang Rittenschober)
  • Kunststoffgalvanisieren (aufgenommen durch SMK GmbH Oberlungwitz)
  • Vergolden von Münzen

Die Veranstalter sind mit dem Ergebnis der Veranstaltung zufrieden und werden die geknüpften Kontakte weiter ausbauen, um das Museum für Galvanotechnik in der Museenlandschaft der Stadt Leipzig weiter voran zu bringen.

8.1.18 Marion Regal


Nachdrucke & Film

Neuauflage des historischen Buches „Praktische Anleitung zum Galvanisieren von Metallen“ von Wilhelm Pfanhauser, Wien 1878 als Nachdruck.

Sie können dieses Buch beim VDMG e.V. zum Preis von 130,00 EUR zzgl. 5,00 EUR Versandkosten beziehen. Die Auflage ist limitiert auf 100 Exemplare.

VERGRIFFEN/AUSVERKAUFT

Wegen der regen Nachfrage für historische Fachbücher hat sich der Verein entschlossen, die 1. Auflage des Fachbuches von Dr. Georg Langbein aus dem Jahre 1886 ebenfalls in einer aufwendigen originalgetreuen Aufmachung herstellen zu lassen. Vorbestellungen bitte an info(at)vdmg.de

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Der Werbefilm über die Langbein-Pfannhauser Werke AG auf DVD in schwarzweiss aus dem Jahre 1925 ist im Museums-Shop des Vereins erhältlich. Die Unkostenpauschale dafür beträgt 12,00 EUR zzgl. 3,00 EUR Versandkosten.

DVD Werkfilm LPW - Kopie

 

 

 

 

 

Medaille 30×2 Millimeter

Auf der Vorderseite befindet sich das geprägte Museums-Logo und der Schriftzug „Leipzig Wiege der Galvanotechnik in Deutschland“
Auf der Rückseite geprägt sind ein galvanisches Element und der Schriftzug „Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik gegründet 2010 in Leipzig“

erhältlich im Museums-Shop

Buch „Leipzig – die Wiege der Galvanotechnik in Deutschland“
(von Dr. Ulrich Vieweger)

Eine Chronik der Firmen von Wilhelm Pfanhauser Wien 1873 bis 1907 und Dr. Georg Langbein Leipzig 1881 bis 1907, Band I, 188 Seiten, Einband Leinen

 

 

Ebenfalls erhältlich im Museums-Shop


Veröffentlichungen

Unser Vereins- und Vorstandsmitglied Dr. Vieweger hat in der Zeitschrift Galvanotechnik vom Eugen G. Leuze Verlag, Bad Saulgau seit 2010 in unregelmäßigen Abständen bisher 15 Teile des Beitrages “Historischer Spaziergang durch Leipzig – die Wiege der Galvanotechnik in Deutschland” veröffentlicht. Dabei wird die Geschichte der Galvanotechnik am Standort Leipzig in der Zeit von 1873bis 1948 und in Wien von 1873 bis 1907 in über 100 Seiten mit zahlreichen Bildern beschrieben.

Desweiteren hat Herr Dr. Vieweger in den „Leipziger Blättern„, Nr. 62, Frühjahresausgabe (ein Journal der Kulturstiftung Leipzig mit über 90 Seiten) die Veröffentlichung eines Artikels über die Galvanotechnik initiiert, der von Ralph Gambihler mit dem Titel „Vernickelt, verchromt, verkupfert“ geschrieben die Geschichte der Galvanotechnik in Leipzig umreist.


Tag der Industriekultur 2016

Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e. V. – Beteiligung am 4. Tag der Industriekultur in Leipzig

Zum vierten Mal fanden vom 10. Bis 14. August 2016 in Leipzig sowie der angrenzenden Wirtschaftsregion die „Tage der Industriekultur“ statt. Organisiert von Industriekultur Leipzig e. V. boten 86 Partner ein abwechslungsreiches Programm mit sensationellen 154 einzelnen Veranstaltungen. Auch der Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e. V. (VDMG e. V.) hat sich zum vierten Mal mit einem facettenreichen Programm an den Tagen der Industriekultur Leipzig beteiligt. Das angebotene Programm wurde gut angenommen, so dass 140 Besucher in den Räumen des Museums begrüßt werden konnten. Diese vierte Auflage war die bisher erfolgreichste Veranstaltung in dieser Hinsicht des Museums. Auch der Vorsitzende des Vereins Industriekultur Leipzig e. V. hat dem VDMG an diesem Tag einen Besuch abgestattet und dem VDMG damit seine Wertschätzung bzgl. des Engagements zu den Tagen der Industriekultur zu teil werden lassen.

Zum Beginn der Veranstaltung begrüßte Thilo von Vopelius, 1. Vorsitzender des VDMG, die Anwesenden und stellte die Ansprüche und die bisher erreichten Leistungen des Museums für Galvanotechnik dar. Anschließend gab Dr. Ulrich Vieweger, 2. Vorsitzender des VDMG, einen kurzen Abriss zu 135 Jahre Galvanotechnik in Leipzig; beginnend mit der Gründung der „Dr. Georg Langbein, Chemische Fabrik für Galvanoplastik und Metallindustrie“ 1881. Diese Firma hatte bis zum Jahre 1906 Bestand. 1907 vereinigten Langbein und Pfanhauser ihre Firmen zur Langbein-Pfanhauser Werke AG (LPW), die ihre Tätigkeit bis 1948 in Leipzig ausführte. 1940 war dieses Unternehmen die größte Fachfirma Europas, beschäftigte ca. 2000 Mitarbeiter, hatte Zweigwerke in fünf Ländern sowie 33 Vertretungen in 13 Ländern und war führend auf fast auf allen Gebieten der Galvanotechnik. Nach der Enteignung der LPW AG im Jahre 1948 folgte im gleichen Jahr die Gründung des VEB Galvanotechnik Leipzig (GTL), der bis zum Jahre 1990 eine sehr erfolgreiche Tätigkeit zu verzeichnen hat. Durch Ausgründung aus der GTL gibt es heute noch zwei mittelständische Unternehmen in Leipzig, die die Tradition fortführen und in den verschiedensten Bereichen der Branche tätig sind.

Den ersten Vortrag des Tages gestaltete Frank Schaale, Vorstand Technik des VDMG, zu einem „goldigen“ Thema „Vergoldung im Wandel der Zeiten“. Er spannte in seinem Übersichtsvortrag einen weiten Bogen von der Antike bis zur Neuzeit. Gold wird seit Jahrtausenden für rituelle Gegenstände und Schmuck sowie seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. In Form von Goldmünzen als Zahlungsmittel genutzt. Gold zählt zu den ersten Metallen, die von Menschen verarbeitet wurden. Die leichte Legierbarkeit mit vielen Metallen, die moderate Schmelztemperatur und die günstigen Eigenschaften der Legierungen machten Gold als Werkstoff sehr attraktiv.

Nach den allgemeinen Informationen zum Metall Gold erläuterte Schaale die verschiedenen Technologien anhand zahlreicher Folien zur Vergoldung. Als erstes sind hier die chemischen Verfahren zu der Zementation und Feuervergoldung zu nennen. Erste Erwähnungen dieser Technologien gehen ins dritte Jahrhundert v. Chr. in China und 77 n. Chr. im Mittelmeerraum zurück. Die Feuervergoldung erzeugt sehr haltbare Schichten, ist aber aufwändig und gesundheitsschädlich. Der Prozess der Feuervergoldung läuft über die Stufen – Herstellung von Goldamalgam, Verquicken der zu beschichtenden Oberfläche, Auftragen des Amalgams auf die verquickte Oberfläche, Abrauchen des Quecksilbers unter gleichzeitigem Glätten und Verteilen des Amalgams, goldglänzend Reiben der rauen und mattgelben Oberfläche mit Poliersteinen.

Zu den mechanischen Verfahren der Vergoldung zählt die Blattvergoldung, die auch bereits in der Antike eingesetzt wurde und heute noch weltweit in der Restaurierung Anwendung findet. Nennenswerte Verfahren sind die Polimentvergoldung (Holzplastiken, Bilderrahmen; nur im Innenbereich) sowie die Ölvergoldung (Stein, Metall, Textil; auch im Außenbereich).

Die erste galvanische Vergoldung stammt etwa aus dem Jahre 1805, wo eine Silbermünze in einer Goldlösung mittels Voltascher Säule durch L. G. Brugnatelli vergoldet wurde. 1840 erfolgten die ersten Patenanmeldungen durch Elkington zur Abscheidung von Gold aus cyanidischen Bädern. 1842 meldete W. v. Siemens sein Patent in Deutschland an. Die galvanische Vergoldung war das erste elektrolytische Verfahren und die ersten praktisch genutzten Elektrolyte waren Gold-, Silber- und Kupferelektrolyte. Durch den Erwerb der Patente von Elkington kam es in Deutschland zur Anwendung der ersten galvanischen Vergoldungen. Erste Standorte für galvanische Vergoldungen waren in Deutschland Stuttgart, Geislingen, Esslingen, Schwäbisch Gmünd, Pforzheim, also alles Standorte, die heute auch noch eine große Rolle im Bereich der Beschichtungen spielen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es keine wesentlichen Änderungen hinsichtlich der Zusammensetzung von Goldelektrolyten und der technologischen Parameter. Die bis dato abgeschiedenen Goldschichten sind alle in den dekorativen Bereich einzuordnen. Durch die rasante Entwicklung der Elektronik und der Leiterplattentechnik in den Jahren 1960/70 hielt die funktionelle Vergoldung ihren Einzug.

Die galvanische Abscheidung von Gold im dekorativen und funktionellen Bereich stand nie an erster Stelle beim Mengendurchsatz im Vergleich mit anderen galvanischen Beschichtungen wie CuNi Cr, Zn und ZN-Legierungen, hatte jedoch zu jeder Zeit seine Daseinsberechtigung. Schaale bot einen gut recherchierten und äußerst interessanten Vortrag, der viel Beifall erntete.

Der VDMG e. V. hatte die Vorstellung, für herausragendes Engagement bei der Unterstützung des Vereins bzw. des Museums eine Medaille zu entwerfen und herstellen zu lassen. In der Region Leipzig wurde der Münzpräger, Gebr. Gallas, ausfindig gemacht; ihm wurde der Entwurf einer „Museumsmedaille“ übergeben. In diesem Zusammenhang kam die Idee auf, Siegfried Gallas zum Tag der Industriekultur zu einem Vortrag einzuladen und das Prägen der Medaillen vor Ort zu präsentieren. So erläuterte Gallas in seinem Vortrag sehr erfrischend und anschaulich die Schritte zur Herstellung einer Medaille bzw. Münze; ein Münzrohling wird mit Prägestempeln in die gewünschte Form gebracht. Zur Herstellung des Rohlings wird zunächst die Zeichnung mit dem Motiv angefertigt. Dieses Motiv wird in einen ungehärteten Unterstempel aus Eisen eingearbeitet. Dieser Unterstempel wird so lange bearbeitet bis alle Konturen stimmen und danach gehärtet. Das gleiche erfolgt mit dem Oberstempel. Nach dem Härten sind die Stempel sehr viel härter als die meisten zur Prägung eingesetzten Münzmetalle wie Gold, Silber und Kupfer bzw. deren Legierungen. Danach kann die Prägung erfolgen. Bei gutem Stempelmaterial können sehr viele Prägungen mit diesem Stempel ausgeführt werden. Heute arbeitet man vielfach mit „Mutterstempelmatrizen“, aus denen mindestens zehn Vaterstempel hergestellt werden. Diese werden geätzt und daraus Prägestempel hergestellt.

Gallas hatte zahlreiches Anschauungsmaterial mit, mit deren Hilfe er die Schritte der Stempelherstellung und Münzprägung sehr lebendig dargestellte. Und er brachte Hammer, Stempel und  Handprägestock mit, mit denen er nach dem Vortrag Medaillen prägte. Gallas hatte die eingangs erwähnten Medaillen für den VDMG in Vorbereitung der Veranstaltung fertig gestellt und diese nach seinem Vortrag Dr. Vieweger übergeben. Vortrag und Prägung waren eine echte Bereicherung des Programms und passten thematisch gut zum vorhergehenden Vortrag der Vergoldung. Gold spielt auch in der Münzprägung nicht nur eine historische Rolle.

In Kooperation mit dem „Verein zur Förderung visueller Kultur plakat-sozial e. V.“ wurde in den Räumen des Museums die III. Internationale Plakatausstellung organisiert. Zu sehen ist eine Auswahl von 100 Plakaten aus 21 Ländern von 76 Künstlern. Das künstlerisch gestaltete Plakat ist aus dem öffentlichen Leben praktisch verschwunden. Plakatsäulen und Anschlagflächen gehören heute stattdessen kommerziellen Plakaten. Ihre Sprache ist entsprechend. Deshalb ist nicht verwunderlich, dass sich Jochen Fiedler, plakat-sozial e. V., in seinem Vortrag mit dem Thema „ Plakate zwischen Kunst und Kommerz“ beschäftigte. Er zeigte auf, dass weder der Autor eines Plakats, weder sein Auftrag noch der Inhalt allein bestimmend sind, ob ein künstlerisches Werk entsteht. Wesentlich ist das Können des Urhebers. Auch am Anfang der Plakatkunst standen kommerzielle Interessen. Der Begriff des Kommerzes war aber nicht so negativ besetzt, wie heute. Kunst und Kommerz gingen bald eine Verbindung ein, für die der Begriff ganz selbstverständlich ist. Die Plakatkunst ist Teil der Bildenden Kunst geworden und der Platz der heutigen Plakate ist eher im Museum als auf der Straße zu suchen.

„Plakat-sozial“ verbindet künstlerischen Anspruch mit engagierter Haltung. Das drücken alle 100 gezeigten Plakate aus. Die Vernissage, die im Rahmen des Programms stattfand, fand großen Zuspruch und große Anerkennung. Für den VDMG war die gemeinsame Veranstaltung ebenso ein Gewinn: Es konnte eine völlig neue Klientel für das Museum für Galvanotechnik sensibilisiert werden. Das ist u. a. eines der Ziele des VDMG. Beide Seiten überlegen, durchaus auch im nächsten Jahr einen gemeinsamen Event zu organisieren.

Wie schon in 2015 im Rahmen des Tages der Industriekultur angeboten, so wurde auch in diesem Jahr in der erweiterten Mustergalvanik die Beschichtung von Bauteilen demonstriert. Passend zum Vortragsthema „Gold“ und Münzprägung wurden kleine Münzen vergoldet, die die Teilnehmer gern mitgenommen haben. Der MacDermid Enthone GmbH, Servicecenter Leipzig sei an dieser Stelle für die diesbezügliche Unterstützung gedankt.

Auch das „offene Werktor“ spielte im Programm des VDMG eine wesentliche Rolle. Die Vopelius Chemie AG (VCAG) öffnete ihre Tore und Dr. Knop, VCAG, gab einen guten Einblick zu zukunftsweisenden Restaurierung aller Industriebauten auf dem geschichtsträchtigen Gelände Torgauer Straße 76 in Leipzig. Die Besucher erlebten hautnah, dass Industrie vielseitig und innovativ ist sowie ressourcenschonend und umweltbewusst produziert.

Abgerundet wurde das Programm durch die ganztägigen Filmvorführungen

  • Werk- und Werbefilm der Langbein-Pfanhauser Werke AG von 1925
  • Die Entwicklung auf dem ehemaligen Gelände der Galvanotechnik Leipzig nach 1990 (von Wolfgang Rittenschober)
  • Kunststoffgalvanisieren (aufgenommen durch SMK GmbH Oberlungwitz)

Nach der Veranstaltung konnte ein sehr positives Fazit gezogen werden. Veranstalter, Gastreferenten und Besucher waren sich einig: Die Anstrengungen der Vorbereitung haben sich gelohnt; es war eine gelungene Veranstaltung.

Auch 2017 werden in Leipzig Tage der Industriekultur veranstaltet. In Frühjahr 2017 wird der VDMG entscheiden, ob und wie er sich daran beteiligt.

19.05.2017                                                                                                         M. Regal